Henriette Tomasi
Künstlerin

Engagement gegen das Insektensterben

Brennnesseln -  es ist Zeit für ein Schmetterlingsbiotop … ?

ein poetisches Bild, das aus dem Urlaub stammen könnte:

zwischen Ruinen eine Brennnessel-Wiese umrankt von wilden Brombeeren, durchwirkt von schwarzem Holunder und Weidenästen, alten Apfelbäumen, das Efeu mit seinen Blüten am schattigen Boden rankend, die faulen Äpfel und Mirabellen zwischen den Gräsern gärend … darin die flatternden Schmetterlinge?

Doch was ist die Realität?

Unkräuter! Wilde Ranken! Igitt! Das ganze Zeugs wird restlos ausgerupft, gemäht, abgeholzt und landet im großen Kompostbeutel und wandert auf den Wertstoffhof. Vor allem die Brennnessel, die so unangenehm brennt, wenn man sie berührt, die keine schöne Blüte hat, die sich so wuchernd ausbreitet, die Ecken und Ränder der Gärten besetzt. Danach natürlich auch all die wilden Brombeerranken, Efeuranken, Disteln, wilder Fenchel und wilde Möhre, Sauerampfer und Klee, Wiesenschaumkraut, Blutweiderich und Äste wildernder Weiden, des Weißdorns und Holunders – all das kommt in die Tüte.

Jedes Jahr das gleiche – alles weg, damit wieder Ordnung im Garten herrscht. Damit niemand sagt „Hier sieht's aber aus – alles verwildert!“ . Doch fragt sich jeder: „Wo sind nur die Schmetterlinge hin?“ Die Antwort liegt in dieser Tüte!

Unter anderem sind gerade diese Pflanzen die Raupenfutterpflanzen und Futterpflanzen der Schmetterlinge. Die Brennnessel ist Futterpflanze für Raupen von mindestens 25 Schmetterlingsarten und auch Futterpflanze vom Admiral, dem Tagpfauenauge,  dem kleinen Fuchs und dem Landkärtchen. Das heißt viele Schmetterlinge legen u.a. in diesen Pflanzen ihre Eier ab, die Raupen ernähren sich einzig von dieser Pflanze, während sie die Metamorphose durchschreiten. Die Raupen verpuppen sich dann in den Blättern der Brennnessel, rollen sich in die Blätter ein. Einige Schmetterlinge fressen nur Brennnesseln, sind von ihnen abhängig, andere bevorzugen auch andere Pflanzen.

Sollte nicht jeder wieder die Brennnessel im Garten kultivieren?

Kann man das Efeu nicht ranken lassen, all den Ranken der wilden Brombeere ein wenig Platz lassen? Es gibt so viele Möglichkeiten etwas zu tun, um den Schmetterlingen noch ein Stück Natur zu lassen! Warum nicht heute damit beginnen?


zum Insektensterben II

von Henriette Tomasi, Künstlerin

Was kann jeder tun?

  1. 1. einen Komposthaufen anlegen

    jedes Jahr im Herbst stehen im Wertstoffhof die Autos Schlange. Fast alle Bürger bringen Ihr Laub und Geäste, Rinden aus dem Garten zu dem riesigen Container, schütten es hinein und geben es damit in eine Kompostieranlage – fern des eigenen Gartens, fern des ehemaligen Biotops an dem es wuchs. Damit all die Raupen im Laub, im Holz, all die Insekten, die sich darin versteckten, für den Winter einigelten. Dort wird es zerkleinert, zermalmt, zusammengepresst… . Was soll dort noch überleben? Ein grausamer Tod. Und niemand sieht es. Sie schreien zu leis! Weiß überhaupt noch jemand, wie es im Komposthaufen wimmelt? Wieviele nützliche Insekten dort leben, überwintern?

    2. Keinen Laubbläser, keinen Hächsler benutzen, sondern das Laub zusammenrechen, und im Garten verrotten lassen. Der Hächsler zerstört und killt die Insekten.

    3. Unter  Hecken, in Ecken das Laub liegen lassen. Es enstehen Biotope.

    4. Unkraut zwischen den Fugen des Pflasters mit der Hand rausziehen oder wachsen lassen. Unkrautvernichter zerstört Biotope und tötet Raupen, Würmer und Insekten.

    5. Hecken mit Unterholz pflanzen, Wildwiese anlegen statt Pflaster und kurz geschorenen Rasenfläche

    6. Bioprodukte oder regionale Produkte von Kleinbauern essen, Monokulturen zerstören die Insektenvielfalt, das Überleben der Insekten. Monokulturen und Massenproduktion eliminieren Heckenflächen, Feldränder, Blühstreifen, Bienen- und Insektenweiden … .

    7. Auf Spiesser nichts geben! Die eigene Position gegen Ordnungsfanatiker verteidigen. Aufs Insektensterben aufmerksam machen und sich empören!

    8. selbst wer nur einen Balkon hat, kann etwas tun. Im Frühjahr Samenmischungen einheimischer Blühpflanzen ( Hummelweiden Bienenweiden.. ) säen, die dann im Sommer rege besucht werden können.

wo sind nur die Schmetterlinge hin? 

80 % der Insekten sind am Aussterben! Die Vögel folgen.


von Henriette Tomasi, Künstlerin 

Eine erschreckende Zahl. Als nächstes sind die Vögel dran. Viele ernähren sich von Insekten. Und auch dort sind schon viele Arten minimiert. Insekten bestäuben Obstbäume und Blühpflanzen.   

Was kann jeder tun? 

 1. An Aktionen teilnehmen  die sich gegen Glyphosat engagieren, z.B. über Campact oder den BUND.  

2. Wildblumen  säen:  Insektenweiden, Bienenweiden, Schmetterlingsweiden, Hummelweiden …

3. Insektenhotels in den Garten stellen

4. Laub-, Reisighaufen als Überwinterungshilfe im Winter liegen lassen (bis April)  danach auf Kompost und dabei auf Igel achten!  
   

5. Auf Unkrautvernichter, Insektizide komplett verzichten! 

6. Für Vögel Nistkästen hängen (z.B. bestellen beim BUND- shop)  
   7. an Wasserstellen für Vögel regelmäßig Wasser tauschen!

8. Fütterung im Winter variieren: 

Andere Futtersorten als Ergänzung beim BUND bestellen

Wer im Sommer füttern will, könnte auf Mehlwürmer in Erdnussbutter oder Insekten umstellen.  Sonst füttert (manch blöde) Meise mit Kernen, Junge gehen ein.   

9. Alte Handys über die NABU recyceln lassen!

Pro Handy erhält die Nabu 1,60 € für die Renaturierung eines Kranichbrutgebiets.   Man kann sich da auch engagieren und Handys seiner Freunde, Bekannten sammeln und eine ganze Box hinschicken, googeln: alte Handys fuer die Havel  

10. Wilde Bereiche im Garten mit Büschen und Brennnesseln, Wildwiesen stehen lassen.

(Brutgebiete für Schmetterlinge)

11. Rasen nicht mähen, wenn Klee, Wiesenschaumkraut oder andere Wiesenblumen blühen. 

12. Nicht zu vergessen!!! Kindern, Jugendlichen Bücher schenken, die sich mit Umweltschutz und Artenschutz beschäftigen! Listen gibt es zu wenige - aber vielleicht entsteht ja mehr.

13. Tümpel als Biotope anlegen

14. Stadtbibliotheken anregen, den Bereich der Jugend-, Kinder- und Erwachsenenliteratur über Umweltschutz, Klimaschutz und Artenschutz zu erweitern. Bücher spenden.